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1. Bürgerforum Kultur

1. Bürgerforum Kultur

Der Freundeskreis des Theatermuseums hatte zum 1. Bürgerforum Kultur eingeladen, und seine Vorsitzende Adelaide Dechow begründete diese Organisationsform mit dem Wunsch nach Beteiligung der Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger, den Verwaltung und Kulturexperten bisher vernachlässigt hätten. Die Probleme mit der Sanierung des Theatermuseums wie auch der Nachfolge für dessen Leiter würden schlaglichtartig die wenig kooperative Haltung der Verwaltung und ihrer Spitzen deutlich machen.

In vier Gesprächsrunden wollte man sich den vielfältigen Problemen nähern.
Den Auftakt machte Dr. Winrich Meiszies, der als Leiter des Theatermuseums seinem Freundeskreis beigesprungen war und einige Stimmen zum spezifisch Düsseldorfer Umgang mit der Kultur seit dem 19. Jahrhundert in Erinnerung rief. Gustav Lindemann - der Gründervater des Theatermuseums – wies auf eine traditionelle „Fremdheit“ und „Überheblichkeit“ der Verwaltung im Umgang mit den Künstlern hin. Er konnte das Urteil seines Vorfahren in der Düsseldorfer Theaterleitung mit künstlerischem Anspruch, Karl Leberecht Immermann, nur bestätigen: „….„Düsseldorf ist eine so ungebildete, in Wein und Oberflächlichkeit versunkene Rheinstadt …“ Selbst Maßnahmen des Kultur- und Tourismusmarketing („keine Kunstvereine und Kunstausstellungen, keine Musikfeste, nicht Eisenbahnen und sonstige Gemeinnützigkeiten“) konnten damals nach seinem Eindruck keine Abhilfe schaffen.
Mag den Zugereisten der Zugang zur Düsseldorfer Mentalität durchaus verschlossen bleiben, auch der Einheimische wie Hans Müller-Schlösser spricht sein Urteil: "Der Düsseldorfer hat von Hause aus eine heitere Lebensauffassung, er ist vergnügungssüchtig bis zum Leichtsinn, lebt seinen Schlendrian bis zur Faulheit, er lässt sich keine grauen Haare wachsen um den kommenden Tag, er genießt das heute. ….“ Seine Begründung findet diese Haltung in dem Einfluss eines der bekanntesten Düsseldorfer Herrschergestalten, Jan Wellems. „Üppige, farbenfrohe Feste sah das Volk so oft, dass sie ihm nichts Neues und schließlich sogar etwas Selbstverständliches waren. … in der kleinen Residenz war immer Kirmes….“
Den Kulturkonsum sieht der Schriftsteller Wolf von Niebelschütz bis in das 20. Jahrhundert von dieser Haltung geprägt. „Die tragische Hemmung scheint im Charakter des Düsseldorfers zu liegen, der sich schnell für etwas begeistert, aber schnell den Überblick und die Laune verliert …“ Dennoch lassen sich auch hier Widersprüche entdecken: „… die Bevölkerung ist so wenig homogen wie die Stadt. Weder diese noch jene ist in langen Jahrhunderten gewachsen, sondern beide sind – jede wieder in anderer Weise – ein Schnellprodukt des 19. Jahrhunderts mit alten Einsprengseln.“
„Wenn das Volk über die Kunst lächelt, so ist das Lächeln voller heimlicher Anerkennung, voll einer gewissen Resignation gegenüber dem Höheren, für das man geboren sein muß, um es verstehen zu können. Wenn die Snobs lächeln, lächeln sie höhnisch und verletzend, obwohl auch sie das Höhere durchaus nicht verstehen. Dass sie lächeln, genügt für die öffentliche Meinungsbildung, und dass dem so ist, nimmt niemanden Wunder, der den Stand der Düsseldorfer Presse kennt.
Dergleichen kann nicht gelenkt werden. Eine Presse und eine Kritik sind von selber da oder sie sind es nicht, ein Niveau resultiert aus den Bedürfnissen derjenigen, die das Niveau verlangen oder nicht verlangen.“
Der in Düsseldorf gebürtige Gustaf Gründgens findet die Synthese zwischen Düsseldorf und der Kultur. „Düsseldorf, meine Vaterstadt und die Stadt, die durch Louise und Dich viel Glanz und Leuchten erhalten hat, erscheint den Künsten und Künstlern gegenüber oft spröde, ja manchmal unverständlich hart und grausam zu sein. Und so muss es doch einen tieferen Sinn haben, dass die Kunst und die Künstler in ihr gedeihen. Vielleicht liegt schon in dieser Sprödigkeit die Reibung, die wir für unsere Arbeit so dringend benötigen.“

Diese Reibung hat auch die Schmuckkünstlerin Vivien Reig-Atmer zu ihrem „Lebensmotor“ gemacht. Als die von der Stadt Düsseldorfer organisierten Kunst-Punkte die Kunsthandwerker ausschlossen, organisierten die Ausgeschlossenen kurzerhand und stadtweit ihre eigenen „Schmuck-Punkte“. Auch im eigenen Viertel, in Pempelfort, engagiert sich die Schmuckkünstlerin mit dem Projekt „Perlfisch“. Die Reibung an Düsseldorf - ja, aber kein Hinterherlaufen nach Trends oder trendigen Kunden.

Wulf Metzmacher, Theologe und Historiker, Vorsitzender der Düsseldorfer Geschichtswerkstatt, sprach sich unter dem Stichpunkt „Kultur und Geschichte“ gegen das Klischee Düsseldorfs als geschichtsloser, geschichtsvergessener Stadt aus. Im Gegensatz aber zu Köln, der Nachbarstadt am Rhein, fehlt Düsseldorf das „Narrativ“, eine Kontinuität und Gemeinsamkeit stiftende Entwicklung. Metzmacher wies auf verschiedene „Erzählstränge hin, die Düsseldorf ausmachten: Düsseldorf ist Residenzstadt von den Anfängen im 16. Jahrhundert bis zur heutigen Landeshauptstadt. Düsseldorf weist eine nicht zu unterschätzende Geschichte als Industriestadt auf. Düsseldorfs ungebrochene Tradition als grüne Stadt reicht weit bis ins 18. Jahrhundert zurück. Auf eine ebenso lange Tradition blickt die Düsseldorfer Kunstakademie zurück. Messe- und Modestadt sind ebenfalls zwei Attribute, die das vielschichtige Erscheinungsbild der Stadt prägen. Forschung und Kenntnisse von Stadthistorikern sind bisher nicht in die Stadtmarketingstrategien der Stadt eingeflossen.

Das Thema „Kultur und Museen“ vertrat noch einmal Dr. Winrich Meiszies und wies auf das grundlegende Missverständnis hin, Museen als „Kulturinstitute“ zu bezeichnen. Dem politischen Auftrag nach sind sie Einrichtungen der „Kulturpflege“, nach Meiszies‘ Einschätzung haben sie gegenüber den primären kulturellen Phänomen, gegenüber der Produktion von Kunst und Kultur eine dienende Funktion. Vielfach verstehen aber auch gerade die in den Museen Tätigen ihre Funktion falsch, sehen sich als alleinige Hüter und Exegeten kultureller Erscheinungen und schöpfen ihre eigene Wertschätzung aus dem bloßen Umgang mit Relikten der Vergangenheit.
Demgegenüber vertrat Meiszies die These, dass Museen für Menschen und nicht in erster Linie für Objekte da sein sollten und seinen Kollegen riet er, „zwischen den Regalen hervorzukommen“.

Die Diskussion der einzelnen Themenbereiche mündete in der Forderung, das Bürgerforum Kultur weiterzuentwickeln, und der Freundeskreis sagte seine Bereitschaft zu, weiterhin als treibende Kraft zur Verfügung zu stehen. Ein Thema für ein Folgetreffen am 20.1.2016 sollte aus der Nachbereitung des ersten Bürgerforums entwickelt werden.


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